Chesstrain 2017

Chesstrain 2017 – Ein Erlebnis bericht von Ferenc Toth

Die älteren Eckbauern werden sich vielleicht erinnern, die noch älteren vielleicht auch nicht mehr: im letzten Jahr nahmen mit Michael Dziallas und mir erstmalig zwei von uns an einem Schnellschachturnier teil, welches im fahrenden Sonderzug ausgespielt wird und welches einen an schöne Orte bringt, von denen man einige ansonsten sicherlich nie im Leben gefunden und gesehen hätte.

Während Michael auch schachlich voll überzeugen und sich trotz starker Gegnerschaft eine positive Bilanz erkämpfen konnte, geriet ich „voll unter die Räder“. An Platz 42 gelistet endete ich schließlich auf Rang 82, hatte nur einmal gegen einen auch nominell stärkeren gespielt und dennoch nur 4 aus 10 geholt. Die wirklich perfekte Organisation der Reise, die Schönheit der Städte, die tadellosen Hotels und vor allem die Begegnungen mit Schachspielern aus 19 Ländern und aller Altersklassen entschädigten zwar für die erlittene Schmach – aber ein Stachel blieb doch zurück, und mit diesem die Motivation in diesem Jahr auf jeden Fall wieder dabei zu sein und es möglichst besser hinzubekommen.

Möglicherweise der etwas geringeren Strahlkraft der Städte geschuldet, war das Teilnehmerfeld von über 110 auf leider nur noch 84 geschrumpft. Wie immer begann und endete die Reise in PRAG, einer Stadt voller Romantik, Liebe, Poesie und Magie – was allein schon ein hinreichender Grund für eine Teilnahme ist. Die Stationen waren Olmouc, Trecin, Bratislava und Lednice ehe es schließlich mit einem Zwischenstopp in Kolin wieder nach Prag zurückging.

Für die perfekte Organisation der Reise, die Auswahl der Städte und Hotelvorschläge gilt erneut das bereits Ausgeführte: einfach hervorragend!! Jeder, der schon mal selbst etwas organisiert hat, dürfte sich mit nur ein wenig Einfühlungsvermögen lebhaft vorstellen können, welche Mammutaufgabe da wieder einmal mit viel Leidenschaft, Herzblut und Engagement vorbildlich gestemmt wurde. Allen, die das ermöglichten gilt der uneingeschränkte Dank und die Anerkennung aller Teilnehmer.

Hinzu kam diesmal – als allen willkommener Dauerehrengast – die Sonne mit spätsommerlichen Temperaturen um die 25 Grad. Zwar hatte ich nicht eine einzige kurze Hose eingepackt – wer rechnet denn Mitte Oktober mit so etwas (? )- dafür aber eine supertolle Regenjacke, die es noch nicht einmal ansatzweise aus dem Koffer schaffte, der Ärger hierüber blieb aber, wie sich jeder vorstellen kann, schlicht aus.

Und auch schachlich wurden „geheime“ Wünsche war; ich konnte mich rehabilitieren, ja mehr noch, ich habe „voll den Dziallas gegeben“ indem ich bis an meine Grenzen gehen konnte und zum Teil – auf wundersame Weise – sogar über mich und „meine Verhältnisse“ hinauswachsen durfte. Der Lohn war, dass ich die letzten 4 Runden des Turniers durchgängig im 1. Wagen mithin den besten 20 Spielern spielen konnte . Diesmal auf Platz 31 gelistet wurde ich schließlich 24. Hätte ich noch einen halben Punkt mehr geschafft, wäre ich aufgrund meiner starken Wertung sogar 14. geworden und hätte auch noch 2 Preise eingeheimst (u.a. den des besten Spielers unter 2100). Das wäre aber dann doch des Guten sicherlich zuviel gewesen, zumal es mich möglicherweise davon abgehalten hätte, im nächsten Jahr wieder dabei zu sein …

In den ersten Runden war eine gewisse Verkrampfung nicht zu leugnen. Ob ich es nun wahrhaben wollte oder nicht, die Angst, dass es wieder so laufen könnte, wie im letzten Jahr, war am Anfang präsent. Ich kämpfte, insbesondere im 1. Spiel, mehr mit meinen eigenen Nerven, als mit dem Gegner. Und weil es gut lief, spielte ich diesmal nur dreimal gegen „nominell Schwächere“ (- von denen einer aber trotz einer Niederlage gegen mich sogar 23. des Gesamtklassements wurde, mithin auch mächtig über seinen Verhältnissen spielte-) und sechsmal gegen Gegner deren DWZ bzw. Elo zwischen 2163 und 2252 (d.h. die Nummern 6,8,10,13,14 und 16 der Setzliste) lag. Während ich gegen die drei Erstgenannten ausnahmslos gewinnen konnte und so nichts „liegen ließ“, habe ich mich auch gegen die 6 Riesen tapfer geschlagen und war auch mit diesen Partien ausnahmslos zufrieden; keiner hat sich gegen mich gelangweilt – ich war durchaus auf Augenhöhe. Auch aus diesen 6 Partien sprang nicht nur Lehrreiches sondern durchaus auch Zählbares für mich heraus, nämlich zwei Remis und als krönender Höhepunkt sogar ein Sieg in der 6. Runde gegen den an 6 Gesetzten Xavier Mastalerz (2252). Schlussendlich kam ich trotz der starken Gegner mit 5/9 auf eine positive Bilanz – was einer Performance von etwa 2100 entsprochen haben dürfte.

Ein Vergleich meines Abschneidens mit dem Vorjahr zeigt zugleich, wie hilfreich die regelmäßige Teilnahme an unseren monatlichen Schnellschachturnieren gewesen sein dürfte – schon um sich ein bisschen besser an das eigenständige Format, das meines Erachtens eben nicht mit langsamen Blitzen oder schnellen Turnierschach verglichen werden kann, zu gewöhnen.

Kurz: es hat einfach Riesenspass gemacht und ich habe mich wieder ein bisschen ins Schachspielen verliebt! – Und Reisen tue ich ohnehin gerne …

Nachdem ich allerdings vor einem Jahr sowohl im Verein, als auch beim Betriebsschach aus meinem Herzen keine Mördergrube gemacht sondern tüchtig die Werbetrommel gerührt habe, und im Endeffekt trotzdem kein Einziger mitkam, werde ich mich hüten, darauf hinzuweisen, dass der Schachzug 2018 zwischen dem 12. und 18. Oktober unterwegs sein und unter anderem Ostrava, Warschau und Krakau besuchen wird …

Seht halt fern und ärgert Euch und/oder weint still in euer Kissen, wenn ihr dann in einem Jahr zur etwa gleichen Zeit wieder meinen Bericht lest …

Ps.: Der Veranstalter wird sicherlich auch wieder Fotos von der diesjährigen Reise hochladen.
Fotos von Anezka Kruzikova
Webseite http://www.praguechess.cz/index.php?langue_zmena=en&langue=cs

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